Corona Wilensis 1951 bis 1987

Da die Corona Wilensis (CW) eine lose Vereinigung ohne Statuten geblieben ist, fällt es schwer, die Aktivitäten der letzten 35 Jahre zusammenzutragen. Bei der Corona Wilensis Seniorum (CWS) war es nicht üblich, ein Protokoll zu führen; bei der Corona Wilensis Juniorum (CWJ) hingegen bestand seit jeher die Protokollpflicht, und über die Jahre 1959 - 1962 liegen auch umfangreiche Akten vor. Besonderes Merkmal dieser Jahre ist, dass die CWJ nicht nur Aktive umfasst, sondern auch AH, die bereits im Erwerbsleben stehen und sowohl in der CWS als auch der CWJ sehr aktiv mitmachen.

Am Osterstamm 1959 übergab Leo Ruckstuhl v/o Fass das Präsidium der CWJ Karl Josuran v/o Oel, und Hanspeter Benz v/o Gritty amtierte als eifriger Chronist bis zu seiner Beförderung zum Präsidenten an Ostern 1961. Für ein Jahr kommentierte alsdann Alphons Maria Bischoff v/o Basler mit spitzer Feder das Geschehen der CWJ.

In diesen Jahren entfaltete die CWJ eine überschäumende Aktivität, wobei als Organisator in erster Linie Fass in Erscheinung trat. Unter der musikalischen Leitung von Peter Stieger formierte die CW einen eigenen 8-köpfigen Männerchor oder, wie es im Expertenbericht heisst, ein Kammeroktett, das am Thurg. Sängerfest vom 27.6.1959 in Weinfelden für gewaltiges Aufsehen sorgte.

Im Hinblick auf die GV 60 war schon der Wunsch nach einer eigenen Fahne für die CW aufgetaucht; jetzt kam ein zweiter Beweggrund dazu, denn zu einem Männerchor gehörte auch eine Fahne, aber es sollte eine eigenwillige Fahne sein. So bewog Kurt Sager v/o Pudding seine Eltern, in ihrem Lederwarengeschäft nach dem Entwurf von Rudl Gruber v/o Pic eine Standarte in Leder zu fabrizieren und zu stiften. Als die erfolgreichen Sänger von Weinfelden heimkehrten, formierte sich um 21 Uhr ein Festzug mit Trommlern, Fackelträgern, Wiler Trachten, Aktiven und AH, die singend vom Bronschhoferhof zum Hofplatz zogen. Dort hielt Alex Bannwart v/o Mephi in gekonnter Art die Festansprache, worauf die neue Fahne enthüllt wurde. Mit einem Festkommers im Hof klang die originelle Feier aus. Die kirchliche Weihe des Banners wurde dann am 18. Oktober nachgeholt und durch Custos Pius Baumgartner v/o Straff auf Gärtensberg vollzogen. Am Abend vereinigte sich die Corona im Restaurant Sternen in Rossrüti zu einem Gala-Diner mit Kommers.

An der Weihnachtsfeier 1959 bestritten unsere "Sänger", teils auch als Instrumentalisten, den musikalischen Teil und umrahmten die Ansprache von Pfarrer Richard Koller in würdiger Weise. Wenn in den letzten Jahren immer wieder Zuck die Gestaltung des besinnlichen Teils der Weihnachtsfeier übertragen wurde, so geht das auf die Gründungszeit des Männerchors der CW zurück. Am 3. Juli 1960 trat der Männerchor nochmals öffentlich auf am Hinterthurgauer Sängertag in Tobel und erntete wiederum höchstes Lob.

Natürlich bereicherte auch die GV 60 das Leben der CW. So wurden der Sonntag vor und jener nach der GV gebührend gefeiert, und das Schlussessen für das OK vom 13. Oktober wurde zu einem gesellschaftlichen Anlass ersten Ranges.

Mit einem würdigen Polterabend verabschiedete sich Clemens Hagen v/o Knaster am 27. August 1960 als Ehrenpräsident der OWJ vom Junggesellentum und damit auch vom samstäglichen Stamm in der Falkenburg. Dieser Samstagsstamm war während Jahrzehnten wichtigster Zusammenhalt der CW, sowohl für Aktive wie für AH. Die Bindung an den Stamm im "Heilig Grab" war so stark, dass etliche Wilenser auch am Nachmittag des 24. Dezember dort anzutreffen waren oder am Silvester sich um Mitternacht zur Neujahrsbegrüssung einfanden.

Daneben traf man stets Wilenser am Sonntagmittag beim Apero im Wilden Mann, am Sonntagabend im Derby, später im Schwanen und am Montagabend im Wilden Mann.

Bei der Suche nach Gründen für weitere Zusammenkünfte war der Phantasie keine Grenze gesetzt. So lud Fass im Auftrag des Präsidenten der CWS zu einer Fohlentaufe am 9.4.1961 auf Gärtensberg ein und Nasser auf den 15.7.1961 zu einem Enten-Neune-Frass im Wilden Mann.

Schon 1959 hatte sich unter Fass und Bitz die Rewa als Reisegesellschaft der OW gebildet, die eine erste Reise nach Murten und einen weiteren Ausflug nach Meersburg durchführte. Andenken an diese Reisen wie die Glocke oder die Muscheluhr am Stammtisch erinnerten die Teilnehmer noch lange an die gemeinsamen Er­lebnisse. Höhepunkt der Reisetätigkeit wurde aber die 3-tägige Carfahrt der Rewa resp. CW im August 1961 nach München.

Einen festen Platz im Jahresprogramm nahm immer das Waldfest ein. 1962 bot Fass, wenigstens auf dem Papier, ein OK von 25 Mann auf und organisierte einen pompösen Illuminationsabend. Wie alt der Brauch ist, dass unverheiratete Wilenser über 30 Jahre den Anlass finanziell bestreiten, lässt sich nur mehr schwer feststellen.

Eingebürgert hat sich auch die Tradition, dass die Heiratswilligen die Corona Wilensis und die Abbatia zu einem Polterabend einladen. Die Eingeladenen überbringen dem Polterer ein originelles Geschenk, das den Wert von Fr. 2.-- nicht überschreiten sollte. Als eine Art Gegenleistung erhält der Hochzeiter den etwas eigenartig anmutenden Polterer-Wanderpokal (gestiftet von Georges Amstutz v/o Gögg) sowie anlässlich der Hochzeit 12 verschiedene Biergläser, die von der Abbatia bei den noch bestehenden Brauerein beschafft werden. *)

Auch die Tanzabende erfreuten sich grosser Beliebtheit. In den 60er Jahren fanden sie noch kurz vor oder nach Neujahr statt, wobei auf einer Liste Töchter von Altherren oder Schwestern von Aktiven figurierten, die nach Möglichkeit einzuladen waren. Der Ball-x hatte dafür zu sorgen, dass genügend Aktive als Begleiter zur Verfügung standen.

Der eigentliche Stamm der CWS fand seit jeher am 2. Donnerstag eines Monats statt. Unter dem Präsidium von Ruedi Völkle v/o Spunt wurde er teilweise auch auf dem Lande abgehalten, z.B. Sonnenberg, Iddaburg, Aehwil, Kirchberg usw. Seit Josy diesen Abend für die CWS reserviert, fühlt sich die Corona wohl und zufrieden in der Falkenburg, wo seit 1966 das von Pic entworfene und von Schlossermeister Gmünder geschmiedete Wirtshausschild mit den Farben der CW zur Einkehr einlädt. Auch einen Stammheiligen besitzt die CWS seit beinahe 30 Jahren, ein Geschenk von Christian Heimgartner v/o Fidelio, nach Pics Entwurf von der Werkstätte Ars et aurum ausgeführt. Diese Figur, einen silbernen Wiler Bären, brachte AHP Spunt jeweils wohlverpackt im Spezialköfferchen an die auswärtigen Zusammenkünfte mit. Seit 1962 hat Josy den Stammheiligen in Obhut genommen.

Ausserhalb der Falkenburg findet heute noch der Maistamm in Dreibrunnen mit vorangehender Maiandacht statt. Das Requiem für verstorbene Couleurbrüder im November haben 1960 AHP Benedikt Lehner v/o Blinz, Dr. Laurenz Fäh v/o Pathos und Leo Ruckstuhl v/o Fass gestiftet und eingeführt. Anschliessend treffen sich die Wilenser meist in der Aebtestube des Hofs, wo alle ungeraden Jahre das Komitee Rechenschaft ablegt und Wahlen erfolgen. Ein besonderes Gepräge erhielt schon früh der Dezemberstamm, als August Niedermann v/o Feix begann, die Stammgäste mit einem Käsebüffett zu verwöhnen. Nach Feixens Tod traten Nüsse und Mandarinnen an Stelle des Käses, wenn nicht gerade aus einer Wette ein Spanferkel fällig war. Seit 3 Jahren wird der Dezemberstamm durch das Auftreten eines Corona-Klauses belebt. Mit den gereimten Klagen über Ungereimtheiten bei einzelnen Wilensern hat der Klaus beste Aussichten, eine neue Tradition zu schaffen. Auch der Käsebüffett-Stamm scheint eine Renaissance zu erleben.

Die jährliche Mai- oder Junifahrt, die in die Zeit vor 1950 zurückreicht, hat unter Edwin Blöchlinger v/o Bitz die Form eines Pfingstmontag-Familienbummels angenommen und erfreut sich reger Teilnahme von jung und alt. Damit die Kultur nicht zu kurz kam, wurde 1986 wieder einmal eine Herbstfahrt im Car zu 4 süddeutschen Barockkirchen durchgeführt.

Regelmässig am Ostersamstag findet nach der Andacht der Osterstamm als Hauptversammlung der Jungen statt. Als Eigenart hat es sich bewährt, dass auch die "Alten" stimm- und wahlberechtigt sind. Neben den Wahlen für das Komitee der Abbatia Wilensis fand bisher die Kenntnisnahme der Erblehen und die Bestätigung der Lehen statt. Unklar bleibt, ob diese Lehen unter der Abbatia Wilensis weiterhin bestehen bleiben. Sicherlich wird die zwar befristete Tradition, dass Eugen Hälg v/o Chrüüter für die Bezahlung der Ostereier aufkommt, beibehalten. Unbestritten dürfte auch das Amt des Polizeichefs Herbert Widmer v/o Ploder sein, der die Kosten für die Polizeistundenverlängerungen übernimmt. Anlässlich des letzten Osterstammes konnte gerade noch verhindert werden, dass die Corona Wilensis Juniorum gänzlich in der Versenkung verschwindet. Ein neues Komitee hat sich bereits gebildet. *)

Die Liste der Anlässe wäre unvollständig, würde man die einzige sportliche Veranstaltung, den Corona-Langlauf ausser acht lassen. Seit 1974 organisiert Alphons Mäder v/o Fidi, AHP von 1973 bis 77, sobald es die Schneeverhältnisse einigermassen erlauben, für alle interessierten Wilenser mit Anhang einen wettkampfmässigen Ski-Langlauf. Die Teilnehmerzahl hält sich stets in Grenzen, so dass beim Massenstart und erst recht beim Zieleinlauf kein Gedränge entsteht. Bei der anschliessenden Rangverkündigung und Preisverteilung erfolgt ein reger Austausch der meist alkoholischen, von den Teilnehmern selbst gespendeten Preise.

Nicht unerwähnt bleiben darf der wöchentliche Samstagsstamm im Restaurant Schwanen, der mehrheitlich von AH besucht wird, in gewisser Hinsicht aber die aufgegebene Tafelrunde in der Falkenburg ersetzt. Zudem trifft sich in jüngster Zeit wieder jeden ersten Sonntagabend im Monat ein Kreis von AH, meist in Be­gleitung der Ehefrauen, am runden Tisch im Schwanen.

So ist trotz vieler Veränderungen die CW lebendig geblieben und wird, wie wir alle hoffen, auch in Zukunft, d.h. auch im nächsten Jahrtausend, junge und alte Wilenser zusammenführen.

W. Schmucki v/o Pongo

*) B. Brunschwiler v/o Brunschli

1937 das Gründungsjahr
Corona Wilensis Juniorum 1937 bis 1950
Corona Wilensis 1951 bis 1987
Wyl (Wil) als GV-Ort
ABBATIA WILENSIS 1978 – 1987
Corona Wilensis 1920 - 1950