Wyl (Wil) als GV-Ort

Die Zeit der Gründung ist in Vergessenheit geraten. Die Namen der Gründer sind in der Versenkung verschwunden. Fest steht, dass sich die Altvordern der Wilenser schon früh formierten und dass sie bald einmal eine dynamische Gemeinschaft bildeten: die Corona von Wyl. Obwohl nur locker im Stv eingebunden, wurde sie ernst genommen. Der Zuschlag für die Durchführung der 20. GV kam nicht von ungefähr. 1860 war es nämlich soweit: Die Aebtestadt hatte ihr erstes Studentenfest. Es übertraf alle Erwartungen. Das CC rühmte die "splendide Aufnahme, die musikalischen Soireen und die hinreichende Zahl von Freilogis". Hoch und hehr ging es bereits beim Empfang am Bahnhof zu. Die Begrüssungsszenen - "man reichte sich die Hände, man reichte sich die Lippen" - wollten kein Ende nehmen. Den Festzug eröffneten 150 Aktive. Ihnen folgten die Veteranen, allen voran die Vereinsgründer Bösch, Furger, Gmür und Vettiger. Die Ehrengäste führten in reputierlicher Repräsentanz von Kirche und Staat - Domdekan C.J. Greith und Land­ammann G.J. Baumgartner an. An der Spitze des OK stand J.B. Müller. Den Mittelpunkt der Veranstaltungen bildete der "weiland fürstabtliche Hof". Für Unterhaltung sorgte die "wackere Blechmusikgesellschaft von Wyl mit ihren gelungenen Piecen". Nun die GV erschöpfte sich nicht in Aeusserlichkeiten. Laut Festbericht war man fast krampfhaft bemüht, immer und immer wieder den Anspruch des Stv geltend zu machen, ein "christlich vaterländischer Jugendbund" zu sein. Die geschäftlichen Traktanden, nach denen es schon damals nicht eben viele dürstete, waren rasch unter Dach. Alles fand Zustimmung, so auch der (nicht zum erstenmal eingebrachte) Antrag, die rote Mütze für den ganzen Verein verbindlich zu erklären. Bei der Wahl des CP genoss der Wyler Kandidat Heimvorteil. In die Stapfen des amtsmüde gewordenen stud. iur. G. Lutz, Thal, trat nämlich ein "Corönlern: stud. nat. R.O. Henner.

1877 war Wyl zum zweitenmal Treffpunkt des StV. Die "Monatrosen" brachten ante festum eine trockene Einladung (von CP L. Viatte) und post festum ein mageres Protokoll (von Ungenannt). Mehr nicht. Ueberliefert ist, dass die GV die Einführung eines "allgemein verbindenden Vereinscomments" beschloss und ein Papier über die sogenannte Protestantenfrage verabschiedete.

Nichts Weltbewegendes tat sich an der GV 1890. Aus der erwarteten "zeitansage" betreffs Kulturkampf wurde nichts. Die organisierten Formen ähnelten denen von 1877. Dem "Jugendbund des kath. Schweizervolkes" wurde ein glänzender Empfang bereitet. Als OK-Präsident waltete Fürsprech J. Müller, CP war A. Augustin.

"Bibel und Babel" hiess das wissenschaftliche Thema, mit dem sich die GV 1903 beschäftigte. Viele "Rotkäppler" schwänzten den Anlass. Einige hatten sogar das Toupet, sich während des Forums im Garten des Kapuzinerklosters zu tummeln - und nicht etwa allein, sondern zusammen mit "Rotbärtlern", wie der Chronist leicht bissig bemerkte. Mehr Freude bereiteten ihm die filiae hospitales. Und geradezu ins Schwärmen geriet der Schreiber beim Zählen der Vereinsbanner (24) und beim Aufzählen der hochmögenden Persönlichkeiten, von denen hier nur zwei, der St. Galler Landammann Schubiger und Prof. Beck, die prägende Lehrergestalt an der Uni Fribourg, erwähnt seien. Ein Höhepunkt war das Feuerwerk. Es versetzte in die Zauberwelt eines "Faust oder Freischütz" und "firnisste" die Erinnerung an Wyl.

Die GV 1914 hätte ein "markantes Zeugnis für die Unverwelklichkeit der Ideale" werden sollen. Da kam der Krieg, die Fahnen blieben eingerollt.

Das nächste Wiedersehen zwischen Wyl und dem StV fand erst 1920 statt. Die Festwogen gingen hoch, Wil zeigte ein "frohes Gemüt". Es gab "farbenfrohe, bewegte Bilder". Das OK präsidierte E. Wild.

1950 wurde Wil für würdig befunden, das Zentralfest 1951 durchzuführen. Das OK, namentlich das Triumvirat R. Kaufmann, P. Meyenberger und H. Bernet, bemühte sich, etwas anderes als ein Déjà-vu zu bieten. Es setzte auf die musischen Qualitäten von Wil, und es war P. Meyenbergers Verdienst, dass die verschiedenen Chöre und der Orchesterverein zu einer Einheit zusammenfanden. Das Werk, das sie aufführten, eine choreographische Inszenierung der "Wiler Willkommkantate", wirkte wie in das Fest hineinkomponiert und riss das Publikum zu Begeisterungsstürmen hin.

Einen Grossaufmarsch erlebte die GV 1960, konnte doch CP A. Riklin schon an der DV eine noch nie dagewesene Studentenschar begrüssen. Aber auch die aktive und retirierte Prominenz fehlte nicht: Zwei Bischöfe, ein Abtprimas, vier Bundesräte, x Nationalräte, Regierungsräte und Professoren gaben dem Fest die Ehre ihres Besuchs. Bundesrat Bourgknecht sprach zu den Kandidaten, Bundesrat Etter hielt die "Veteranenrede". Mit der Geschichte von Wil machte das Festspiel "Leuchtendes Erbe" von P. Lengg / J. Hassig bekannt. Der OK-Präsident hiess L. Fäh, der OK-Sekretär L. Ruckstuhl. Beide blieben quasi im Amt. Als viri probati wurden sie zehn Jahre später wieder in Pflicht genommen.

"Die Dritte Welt - eine Herausforderung", lautete die Thematik der GV '70. M. Hengartner vorn Fastenopfer empfahl radikale und universale Wege in der Entwicklungshilfe. Die Wikinger nahmen den Arbeitstitel zu wörtlich. Sie verfassten ein Proteststück. Es wurde, weil zu provokativ, aus dem Programm genommen. Ressentiments blieben deswegen keine zurück. Freude war auch dieser Festtage Kennmal. Der genius loci triumphierte, Wiler und Alt-Wiler dominierten: Bischof J. Hasler stand der Eucharistiefeier vor, Pfarrer R. Thalmann hielt die Festpredigt, H. Bernet präsidierte den AHB, W. Grüebler trat als Brandredner auf.

Lebendig (und eindrucksvoll) steht vielen noch die GV '80 in Erinnerung. Was das OK (mit Präsident J. Niederberger, Finanzchef A. Allenspach und Sekretär B. Brunschwiler) tun konnte, um das Fest nicht zu einer blossen Kopie früherer Treffen zu machen, tat es. Auf Resonanz stiessen die beiden Festredner, Ständerat Schönenberger und Professor L. Rohner. Ihre Aufforderung, Farbe zu bekennen, sich nicht abseits zu stellen oder ins Abseits stellen zu lassen, wenn es darum geht, zu politischen und sozialen Fragen Stellung zu nehmen, verlieh dem "Burschen heraus" eine besondere Dimension. Der Festprediger, Pfarrer und Erziehungsrat A. Moser, sprach über das Wort "Verbindung", über den Anschluss an eine kameradschaftliche Gemeinschaft. Ihren grossen Tag hatte die Abbatia Wilensis: Fahnenweihe. Die Benediktion nahm Bischof J. Hasler vor. Bei der Wahl ins CC machte erstmals eine Frau das Rennen.

Neunmal kam der StV nach Wil. Jedesmal zog er Scharen von StVern und ein begeistert mitgehendes Publikum an. Die 10. GV hat eine würdige Ahnenreihe vorzuweisen.

A. Nagel v/o Sprit

1937 das Gründungsjahr
Corona Wilensis Juniorum 1937 bis 1950
Corona Wilensis 1951 bis 1987
Wyl (Wil) als GV-Ort
ABBATIA WILENSIS 1978 – 1987
Corona Wilensis 1920 - 1950